Was hat denn sowas wie Freizeitpädagogik mit Lernen und nachhaltigem Lernerfolgen zu tun?!? Wie kann mein Kind was lernen wenn es auf dem Bolzplatz ist?
Eine sehr gute und absolut berechtigte Frage. Hierbei geht es darum einen Zugang zu finden. Was macht der Schüler oder die Schülerin gerne? Nun, die erste These von mir wenn Sie bis hier hin gelesen haben: Bewegungsarm an einem Tisch sitzen, ei...
Was hat denn sowas wie Freizeitpädagogik mit Lernen und nachhaltigem Lernerfolgen zu tun?!? Wie kann mein Kind was lernen wenn es auf dem Bolzplatz ist?
Eine sehr gute und absolut berechtigte Frage. Hierbei geht es darum einen Zugang zu finden. Was macht der Schüler oder die Schülerin gerne? Nun, die erste These von mir wenn Sie bis hier hin gelesen haben: Bewegungsarm an einem Tisch sitzen, ein Buch vor sich und „lernen“ scheint es nicht zu sein. Im „kölschen Grundgesetzt“ heißt es so treffend „Jeder Jeck is anders“. Ich bin so frei und wende das ebenso generalistisch auf meine Schüler an. Nur weil die Schülerin ABC es schafft in einem klassischen Lernumfeld die entsprechenden Lernerfolge und -fortschritte zu erzielen heißt das absolut nicht, dass dies auch für die Schülerin XYZ gilt. Die Gründe dafür sind so vielfältig und unterschiedlich wie „Jeder Jeck“.
Weil sich XYZ also in dem Lernumfeld nicht wohl fühlt ist sie dümmer als ABC?
Nein! Ganz bestimmt nicht. Sie schafft es nur nicht in diesem Setting den erwarteten Lernfortschritt zu erzielen. Dadurch sind in dem Beispiel ihre Noten schlechter als die von ABC obwohl beide ganz normale und vergleichbare Schülerinnen sind.
Abgesehen von der reinen Frustration die dadurch entsteht kann der andauernde Misserfolg schließlich ganz direkt das Selbstbewusstsein angreifen und so zu einer sich selbst erfüllender Prophezeiung werden. „Ich kann das eh nicht!“, „Warum bin ich so blöd…?“, „Ich versuchs doch! Aber es klappt eh nicht…“, „Ich hab keinen Bock mehr auf die…“, sind Sätze die ich schon sehr oft gehört habe.
Im klassischen Lernsetting wird es also kaum gelingen die Voraussetzungen für eine Verbesserung der Situation von XYZ zu schaffen. Im Gegenteil!
Also verlasse ich dieses Lernsetting erstmal ganz gezielt und stelle Fragen nach den Dingen die gerne gemacht werden, die Freude machen, nach Dingen, die man gut kann oder auch etwas, dass man gerne mal jemand Anderem zeigen möchte weil DAS nicht jeder hinbekommt, usw… Das eigentliche Lernen und andere schulische Fragen spielen in dieser frühen Phase nur eine untergeordnete Rolle was viele Schüler erstmal überrascht, weil ihre bisherigen Erfahrungen und die Erwartungshaltung beim Thema Nachhilfe im Allgemeinen ganz andere sind. XYZ ist Fußballerin von ganzem Herz, also geht es auf den Bolzplatz zu einem Ort und einer Handlung bei der sie sich wohl fühlt. Beim Fußballspielen entspannt sie sich sichtlich, in Bewegung ist sie konzentriert und fokussiert. Mein erstes Ziel ist es dann im Verlauf „kleine schulische Erfolgserlebnisse“ zu generieren, hier indem ich entsprechende Übungen gestalte die da ansetzen wo es bei ihr mal aufgehört hat - aber mit dem Fussball beantwortet werden können.
Lange Rede, kurzer Sinn: durch den Fokus auf Spaß und Dinge die man kann, fällt es viel leichter sich mit dem Schulkram zu befassen. Dabei ebnen erste Erfolgserlebnisse den Weg zurück zu größeren Lernfortschritten und schafft so über aufgebautes Selbstbewusstsein eine neue Betrachtung alter Probleme die plötzlich kleiner sein können als man ja eigentlich dachte….
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